Sind
Anime
realistisch? Die spontane
Antwort lautet natürlich: Nein. - Und sie ist sowohl richtig
wie
falsch.
Niemand wird zum Beispiel
Neon
Genesis Evangelion als
realistische Zukunftsvision betrachten.
NGE
zeigt
aber auch, was einen
Anime
ausmacht,
was sie hauptsächlich von den
Disneys
unterscheidet: Die
Charas
haben eine
ausführliche Biographie, sie sind selten nur gut oder nur
böse, sie leben, lieben, hassen und sterben, sie interagieren
intensiv miteinander, sie handeln in einer Welt, die eine Geschichte
hat, in einer Welt, die trotz einer abgefahrenen, eher wirren
Hintergrundgeschichte real erscheint, weil
deutliche
Bezüge
auf die reale Welt vorhanden sind. Die
Mechas
in
NGE
wird es
so nie geben und
doch sind sie in der Welt
von
NGE
bis ins
Detail konstruiert.
Wenn in einem
Anime
eine Szene in einer
Schule spielt, dann ist die
Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Schule tatsächlich
existiert.
Wenn eine Waffe gezeichnet wird, dann ist die
Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Waffe tatsächlich genau so
existiert.
Oft versuchen die
Anime-Zeichner
zudem,
den
Anime
so zu zeichen, als ob
er mit einer realen Kamera aufgenommen wurde. Dazu gehört das
Imitieren
optischer Effekte wie Lichtspiegelungen im
Objektiv ...
... oder Unschärfen. Die Ursache der Unschärfen ist
physikalischer
Natur und
hängt mit dem Brennpunkt von optischen Linsen zusammen. Bei
gezeichneten Bildern und Filmen gibt es keine Linsen. Es gibt
deshalb auch keinen physikalischen Grund, weshalb bei
Zeichentrickfilmen der
Hintergrund unschärfer sein muss als der Vordergrund.
Trotzdem werden
Anime
genau so
gezeichnet, als ob sie mit realen Kameras aufgenommen wären.
Sind
Anime
realistisch? Ja und nein.
Sie sind in ihrer Verquickung aus
Dichtung und Wahrheit und in der Darstellung von Dichtung und Wahrheit
pseudorealistisch.